Welche Formen kann Privatheit in Zeiten der Digitalität annehmen und welche Chancen und Risiken sind dabei zu gewärtigen?
Unter „Digitalität“ sollen gemeinsame Wesenszüge konkreter Formen der Digitalisierung als neues Paradigma der Privatheit erfasst und theoretisch konturiert werden. Aufgabe ist es daher, aktuelle Entwicklungen der Digitalisierung zu analysieren und die Konsequenzen für die Sozialität und Individualität von Bürgern im Kontext kultureller und rechtlicher Rahmungen zu erforschen.
Insgesamt bilden sich komplexe neue Dispositive mit positiven wie negativen Effekten. So werden Social Media Plattformen dazu genutzt, soziale Kontakte zu knüpfen, ‚private‘ Images von sich herzustellen und zugänglich zu machen und abgeschlossene Special Interest Groups zu bilden. Diese können als klar gerahmte Schutzbereiche auch dazu dienen, in der analogen Welt missbilligte Formen von Privatheit zu pflegen. Während auf diesem Wege die Herstellung auch subkultureller Formen von Privatheit erleichtert wird, sind solche Seiten meist ökonomischen Maximen unterworfen, deren Strategien bei der einfachen Nutzung nicht gleich zu erfassen sind.
Zugleich stellt sich die Frage danach, welche Funktion traditionelle Privatheitsmodelle noch haben können und haben dürfen, wenn Subjektformen so stark an das Digitale gebunden werden, dass sie einen Zustand des ‚Posthumanen‘ erreichen (Hayles 1999). Zum einen bilden sich Muster normierten Kommunikationsverhaltens, wie der Nutzung Sozialer Netzwerke, in denen private Praktiken der autobiographischen Identitätsarbeit (McNeill 2012) ausgeführt werden. Zum anderen aber werden damit die Medien der persönlichen Identitätsbildung an externe und kaum zu beeinflussende Institutionen übertragen, welche die persönlichen Daten als Ressource nutzen. Privatheit (und Identität) wird damit zu einer Ressource gewinnorientiert agierender Systeme.